Die Braut, die sich was traut
Sie hat im Brautkleid Schlagzeilen gemacht, als sie im Salzburger Dom
ohne Bräutigam zum Altar schritt. Ihre Weihe zur Virgo consecrata
macht die Theologin und Religionspädagogin Bernadette Lang
zur weltweit gefragten Interviewpartnerin. Abseits der Medien kämpft
sie für einen gesellschaftlichen Wandel in Mittelamerika.
Als Leiterin der HOME Akademie in Salzburg kümmert sich die gebürtige Oberösterreicherin Bernadette Lang eigentlich darum, junge Menschen auf dem Weg der Nachfolge Jesu zu begleiten. Seit einigen Jahren engagiert sich die leidenschaftliche Missionarin für die Ärmsten in El Salvador. Ein unerwartetes Geschenk Gottes.
Was hat sich mit und seit der Jungfrauenweihe im Jahr 2022 verändert?
Sie hat in gewisser Weise ein spirituelles Erdbeben ausgelöst. Eine Berufung ist nie etwas Privates, auch wenn sie eine persönliche Entscheidung ist. Gott hat mir, glaube ich, einen Auftrag gegeben, diese Berufung zur geweihten Jungfrau wieder bekannt zu machen. Fast jede Woche meldet sich jemand bei mir, weil die Person am gottgeweihten Leben interessiert ist. Die ganze mediale Berichterstattung über meine Weihe hat mich anfangs völlig überrollt, auch nach drei Jahren bekomme ich immer noch Interviewanfragen. Die Medien sind auf jeden Fall aufmerksam geworden auf das Thema, nicht nur im deutschsprachigen Raum.
Sie waren im Jahr Ihrer Weihe in El Salvador. Was ist Ihre besondere Beziehung zu dem Land?
Vor ungefähr zehn Jahren habe ich bei einer Missionskonferenz einen Vortrag über Oscar Romero gehört. Darin ging es um die pastorale Situation in El Salvador. Die Vortragende hat erzählt, dass es so schwierig sei, Jugendgruppen anzubieten, weil Banden das Land terrorisieren. Das hat mich arg getroffen. Ich habe zu dieser Zeit in Salzburg eine Jugendgruppe geleitet. Ich hatte aber keine Lösung für die Jugendlichen in El Salvador, außer für sie zu beten. Ich wollte auf keinen Fall jemals dorthin reisen. 2022 sprach mich ein US-amerikanisches Ehepaar an, das mich durch unsere Online-Gottesdienste kannte, und fragte, ob ich mit ihnen für El Salvador beten möchte. Wir merkten schnell, dass Gott dort etwas bewegen möchte. Kurz darauf war ich plötzlich in einem Zoom-Gespräch mit der US-Botschafterin in El Salvador, einer gläubigen Christin, die uns zu einem Besuch einlud. Und zwei Wochen später saß ich im Flieger. Wir trafen den Bruder des Präsidenten, der für Investments zuständig war. Anschließend besuchten wir Volontäre in einem armen Viertel von San Salvador, die sich um Kinder von Gangmitgliedern kümmern. Ihr Haus befand sich genau auf der Grenzlinie zweier konkurrierender Banden. Dort habe ich erst richtig verstanden, wie prekär die Situation im Land war. Wir haben ein Kind gesehen, das zwischen den Blechhütten eingesperrt war. Ein Quadratmeter Asphalt und Gitterstäbe – das war sein Spielplatz. Daneben saß der Großvater, der aufpasste, dass das Kind nicht auf die Straße lief, wo es von Gangmitgliedern erschossen werden könnte.
Wie ging es weiter?
Dieses Bild hat mich und das Ehepaar aus Boston tief getroffen. Wir hatten die Vision, dass Kinder die Möglichkeit haben müssen, in Freiheit zu spielen. Ich bin danach wieder nach Österreich geflogen, einen Tag später gab es diese schreckliche Mordserie in El Salvador, die zur Verhaftung von über 60.000 Menschen und zu einer plötzlich komplett veränderten Sicherheitslage im Land führten.
Wie setzt ihr eure Vision jetzt um?
Wir haben die Floracion Fundation gegründet und damit gestartet, Naturspielplätze für Kinder zu gestalten, wo sie in Freiheit und Sicherheit spielen können, Zugang zu Wasser haben und etwas zu essen bekommen. So wollen wir Schritt für Schritt ganze Dörfer verändern. Wir haben zwar zu Beginn auf politischer Ebene Türen geöffnet bekommen, dort hat sich aber nicht viel bewegt. Wir arbeiten mit jungen, motivierten Menschen aus unterschiedlichen christlichen Konfessionen, die wir bei unseren Besuchen im Land kennengelernt haben. Viele Dinge haben hemdsärmelig begonnen. Beispielsweise haben wir gemeinsam mit lokalen Pastoren Lebensmittelpakete gepackt und zu den bedürftigsten Familien gebracht, die kein Einkommen mehr hatten, weil die Männer im Gefängnis sitzen. Oder wir organisieren Fußballmatches zwischen Kindern von Gangmitgliedern, initiieren Kunstprogramme in den Dörfern. Gemeinsam mit anderen NGOs verteilen wir Wasserfilter. Wir versuchen im Kleinen Infrastruktur aufzubauen, um den Menschen zu helfen, eine Lebensgrundlage zu haben.
Weshalb sind die Kinder euer Hauptfokus?
Wir stellen – nach Jesu Vorbild – die Kinder in die Mitte, geben ihnen Raum. Trotz der inzwischen niedrigen Kriminalitätsrate in El Salvador leiden die Menschen unter Gewalt, Missbrauch und fehlenden Strukturen. Viele Familien sind vaterlos. Ein unbekanntes, aber riesiges Problem ist die Verschleppung von Kindern in die USA. Aus diesen Gründen wollen wir sichere Orte und ein neues Bewusstsein schaffen: Kinder sind wertvoll und schützenswert. Wir glauben, dass sich eine Gesellschaft insgesamt verändert, wenn es den Kindern gut geht – und dass dieser Ansatz auch für westliche Länder relevant ist. Ich bin davon überzeugt, dass El Salvador ein Leuchtturm für gesellschaftliche Veränderung sein kann.
Künstler aus aller Welt: Diesmal aus INDIEN
Wechselnde Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt gestalten das Porträt auf dieser Seite. Diesmal tut das Rishika Sharma aus Indien.
Für sie ist die Leinwand ein „Spiegel in ihre innere Welt.“ Sie verwendet am liebsten Ölfarben, da sie so mit Geduld und in Tiefe arbeiten kann, und dadurch „mit jedem Pinselstrich das Unsichtbare sichtbarer wird.“
Bernadette Lang gestaltete sie „mit Wärme und Freude”, sodass ihre enge Verbindung zu Jugendlichen in El Salvador gut zum Ausdruck kommt.